18.10.2018

Wie die Biene Maja Leben retten kann

Reanimationsteams der Haßberg-Kliniken beim „Restart a Heart“-Day dabei


Haßfurt, 17. Oktober 2018

 

Wie verhalte ich mich richtig, wenn es darum geht, eine leblose Person zu reanimieren? Diese Frage stand am Dienstagvormittag im Foyer des Gesundheitsamts im Blickpunkt. Das Reanimationsteam der Haßberg-Kliniken hatte im Rahmen des weltweiten Wiederbelebungstages kostenlose Schulungen für die Bevölkerung angeboten.

 

Was haben John Travolta, Helene Fischer und die Biene Maja gemeinsam? Ganz einfach, sie alle können Leben retten. Genauer gesagt Lieder, die man mit ihnen verbindet. „Staying Alive“ von den Bee Gees, „Atemlos durch die Nacht“ oder der Karel Gotts Titelsong zur Zeichentrickserie sind nur drei der Songs, die auf Listen stehen, die man im Internet finden kann. Listen mit Song, die den richtigen Rhythmus vorgeben, wenn es darum geht, eine kollabierte Person mit einer Herzdruckmassage wiederzubeleben.

 

„Wer im Takt von ,Staying alive‘ auf den Brustkorb drückt, der liegt in jedem Fall richtig“, erläutert Ralf Hirschlach und drückt die Starttaste auf seinem Handy. Die Bee Gees singen und der Bereichsleiter Anästhesie, Pflege und Intensivstation am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken zeigt zwei jungen Damen, wie man von der Mitte des Brustkorbs aus, angemessen drückt. „100 bis 120 Mal in der Minute und sechs Zentimeter tief“, führt er aus.

 

Eine Erklärung, die er am Dienstagmorgen im Foyer des Gesundheitsamtes in Haßfurt einige Mal gibt. Anlass ist der „Restart a Heart“-Day, an dem sich die Haßberg-Kliniken in diesem Jahr erstmals aktiv beteiligen. „Wir wollen zeigen, wie Wiederbelebung geht, wie wichtig es ist, mutig zu sein und zu helfen und wie man sich im Notfall korrekt verhält“, erläutert der Pfleger, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Markus Röder und dem Facharzt für Anästhesie und Notarzt Dr. Fred Hauck, drei Stunden lang praktischen Anschauungsunterricht gibt. Immer wieder wird zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern an einer Plastikpuppe geübt oder der Defibrillator, den es im Gesundheitsamt gibt, angelegt.

 

Bei den meisten ist das Wissen, einst angeeignet in einem Kurs vor Erwerb des Führerscheins, veraltet oder gar nicht mehr vorhanden. Auch deswegen scheuen viele davor zurück, im Ernstfall zu helfen. „Die Palette reicht von völlig planlos bis sehr engagiert“, berichtet Dr. Fred Hauck von seinen Notarzteinsätzen. „Immerhin 37 Prozent der Menschen sind bereit zu helfen“, berichtet Ralf Hirschlach. „Wir wollen diese Quote erhöhen.“ Die Aktion vom Dienstag ist auf dem Weg dorthin nur ein kleiner Schritt. „Uns geht es darum, Ersthelfern Mut zu machen und ihnen die Angst zu nehmen. Falsch machen kann man nämlich eigentlich nichts.“

 

Entscheidend sind die ersten Minuten nach dem Zusammenbruch oder einem Unfall. Minuten, in denen meist noch keine professionellen Helfer vor Ort sind. „Die Einsätze, bei denen Ersthelfer von Anfang an geholfen haben, sind die, bei denen man die besten Chancen hat, Menschen zu retten“, berichtet Fred Hauck.

 

Drei Schlagworte sind es, die für die richtige Reihenfolge bei der Reanimation stehen und so etwas wie einen Leitfaden für Ersthelfer darstellen können. „Prüfen, rufen, drücken“, nennt sie Ralf Hirschlach. Zunächst sollte der Helfer prüfen, ob eine kollabierte Person ansprechbar ist und ob sie atmet. Der nächste Schritt ist dann der Anruf auf der Nummer 112. Sollte ein Helfer alleine sein, so dass sich nicht mehrere Leute die Aufgaben teilen können, gilt, dass der Notruf Priorität hat – auch vor der Wiederbelebung. „Der Patient braucht auf alle Fälle so schnell wie nur möglich professionelle Hilfe“, macht der Pfleger klar.

 

Wenn die organisiert ist, kann man sich – die Bee Gees oder die Biene Maja im Ohr – voll und ganz dem Patienten widmen und mit der Herzdruckmassage beginnen. „Trauen Sie sich, Sie können keinen Schaden anrichten“, erklärte Ralf Hirschlach immer wieder und machte klar, dass jeder zum Lebensretter werden kann. „Momentan werden gut zehn Prozent der Betroffenen durch den mutigen Einsatz von Ersthelfern gerettet. Wir wollen diese Quote verdoppeln.“

 

Foto: Ralf Hirschlach beim Wiederbelebungs-Training mit Kursteilnehmern (Marco Heumann)


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