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„Wir waren der Punkt, an dem die Trennung erfolgt ist!“

Serie: Wie Corona den Krankenhaus-Alltag verändert – wie Birgitt Pfister und das Team der ZPA die vergangenen Monate erlebt haben 

 

Haßfurt, 8. Juli 2021

 

Seit mehr als einem Jahr hat Corona unser aller Leben fest im Griff. Auch das der Mitarbeitenden der Haßberg-Kliniken, ganz egal, ob sie in der Pflege, im medizinischen Bereich, der Verwaltung oder der Versorgung der Patientinnen und Patienten tätig sind. Wie sie beruflich, aber auch privat mit der Pandemie umgehen, das wollen wir in einer kleinen Serie zeigen. Diesmal haben wir uns mit Birgitt Pfister und ihrem Team aus der Zentralen Patientenaufnahme der Haßberg-Kliniken unterhalten.

„Angst ist das falsche Wort!“ Birgitt Pfister denkt nach. „Ich würde es großen Respekt nennen“, antwortet sie auf die Frage, was Corona in ihrem Arbeitsalltag mit ihr und ihrem Team gemacht hat.

Als Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken saß die langjährige Mitarbeiterin quasi an der Nahtstelle zwischen der Welt drinnen (im Krankenhaus) und der draußen. „Wir waren der Punkt, an dem die Trennung erfolgt ist.“ Die Theke im Eingangsbereich wurde zu einer Art Berliner Mauer. Birgitt Pfister und ihre Kolleginnen zu Torwächtern. Ein Vorbeikommen gab es für die Angehörigen praktisch nicht. 

Die Begleitung von Patient:innen, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, war viele Monate lang nicht oder nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. „Das war für die Menschen, aber auch für uns schwierig“, erzählt Birgitt Pfister. „Notfälle sind schon in normalen Zeiten eine besondere Situation.“ Eine, in der man seine Lieben nur ungern alleine lässt. „Und jetzt musste man sie an der Tür abgeben.“ Vor allem die Ungewissheit, wann und ob man die Angehörigen überhaupt wiedersehen würde, habe die Betroffenen mürbe gemacht.

„Viele waren zwar überrascht, dass sie die Patienten nicht begleiten durften“, blickt Birgitt Pfister aufs Frühjahr 2020 und die ersten Wochen mit der Pandemie zurück. „Aber die meisten hatten Verständnis.“ Je länger der Zugang aber verwehrt blieb, desto deutlicher habe man gespürt, dass die Menschen nicht mehr nachvollziehen können, warum sie draußen bleiben müssen. „Am Anfang erfuhren wir eine große Wertschätzung unserer Tätigkeit, jedoch wurden Patienten und Angehörige im Laufe der Pandemie corona-müde und zeigten zum Teil weniger Verständnis“, bringt es die Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme auf den Punkt.
Ausweichen konnte man dem Unmut oftmals nicht. „Wir sind nun einmal die erste Anlaufstelle im Krankenhaus.“ Monatelang waren sie zudem auch die letzte. Waren die Patient:innen erst einmal auf Station, gab es für die Angehörigen meist nur noch telefonischen Kontakt, auch mit dem medizinischen Personal.

Die schier unüberwindbare Trennlinie, die von ihrem Team überwacht wurde, war aber nicht die einzige einschneidende Änderung im beruflichen Alltag, der Birgitt Pfister und ihre Kolleginnen sich stellen mussten. Wie in allen anderen Abteilungen des Krankenhauses auch mussten strenge Hygienevorgaben beachtet werden. 

Schutzanzug und FFP-2-Maske wurden ständige Begleiter. „Das war vor allem im Sommer, wenn es warm war, nicht immer einfach.“ Zudem kam es bei Gesprächen mit Maske immer wieder zu Verständigungsproblemen. 

Aber nicht nur der Umgang mit den Patient:innen wurde durch Covid-19 ein anderer. Neben den privaten Kontakten mussten auch die im Team aufgrund der Pandemie auf ein Minimum beschränkt werden. Gemeinsame Besprechungen konnten nicht stattfinden, Fort- und Weiterbildungen fielen aus. „Klar haben wir auch weiterhin miteinander gearbeitet“, sagt Birgitt Pfister. „Aber ein stückweit war jeder mehr auf sich alleine gestellt.“  

Vor allem am Anfang, als die Folgen der Pandemie noch nicht absehbar waren, sei die Verunsicherung groß gewesen. „Es war ein wenig so, als sollten wir ohne Ausrüstung auf eine Expedition gehen, deren Ausgang ungewiss ist“, erklärt die Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme. „Wir wussten einfach nicht, was auf uns zukommt.“ Fehlende Schutzkleidung oder die nahezu täglich neuen Anweisungen von amtlicher Seite sorgten zudem nicht unbedingt für Zuversicht. Vieles habe sich aber relativ schnell eingespielt.

Als Beispiel für die Flexibilität, die die Mitarbeitenden zeigen mussten, nennt die Birgitt Pfister die Abläufe am Screening-Point. Dort wurde jeder, der ins Krankenhaus wollte oder musste, einzeln „überprüft“. Jeder musste einen Fragebogen beantworten. Fieber wurde gemessen. So sollte verhindert werden, dass Infizierte und mit ihnen das Virus ungehindert in die Klinik kommen. „Am Anfang haben sich die Fragen ständig geändert.“ Auch die Vorgaben, was zu tun ist, wenn bestimmte Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, wurden erst nach und nach festgelegt. „Wir mussten immer wieder auf die neuesten Entwicklungen reagieren.“

Eine besondere und sehr zeitaufwändige Herausforderung war die tägliche PCR- und Antigen-Testung aller Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses.

Inzwischen jedoch ist die Lage deutlich entspannter. Zum einen, weil die Zahl der Infizierten deutlich gesunken ist und auf niedrigem Niveau verharrt. Zum anderen aber auch, weil Birgitt Pfister und ihre Kolleg:innen gelernt haben, mit dem Virus zu leben und zu arbeiten. „Ich muss mich bei meinem Team bedanken, dass wir so gut durch die schwere Zeit gekommen sind.“

Foto (Marco Heumann): Große Herausforderungen für das Team der Zentralen Patientenaufnahme. Auch der Arbeitsalltag von Sabine Kraft, Birgitt Pfister und Larissa Divinc (von links) wird von Corona beeinflusst.